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 Norwegische Märchen, Mythen und Sagen

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BeitragThema: Norwegische Märchen, Mythen und Sagen   Di Dez 18, 2007 11:33 pm

Das norwegische Kulturerbe enthält viele Schätze, die Volksdichtung gehört vielleicht zum Schönsten. Auch heute hat diese Dichtung große Bedeutung für die Norweger. Sie zeigt, wo die Wurzeln der norwegischen Kultur liegen und ist ein Teil der Identität. Die Volksmärchen und Volkssagen bilden, neben den Volksliedern, den Hauptanteil der älteren norwegischen Volksdichtung.
Volksmärchen sind freie und phantasievolle Erzählungen, die seit undenklichen Zeiten mündlich überliefert wurden. Sie handeln von der Beziehung zwischen Menschen, ausgedrückt in einer Phantasiesprache, in Symbolen. Wie alle echte Dichtung, nehmen die Märchen ihren Ausgangspunkt im Leben selbst, wobei sie nie in den Grenzen des Wirklichen bleiben und nie das widergeben, was Leute als wahr und vernünftig erachten.
Märchen haben ihren eigenen Stil, unter anderem mit einer festen Einleitungsformel: "Es war einmal", "Es waren einmal ein König und eine Königin" oder "Es gab eine Zeit, da alle Dinge sprechen konnten".
Ebenso haben Märchen meistens eine Schlussformel; sie führt uns häufig aus der Welt der Phantasie in die Wirklichkeit zurück.
Die Wunder- oder Zaubermärchen stellen die größte und bedeutendste Gruppe der Volksmärchen dar. Sie erzählen von besonderen Wesen wie Riesen, Drachen, Trollen und Hexen sowie von Menschen mit übernatürlichen Kräften. Viele Zaubermärchen handeln von Trollen und Verwandlung. Diese Themen werden auch häufig in Volksliedern aufgegriffen und haben sich offenbar in der norwegischen Tradition großer Beliebtheit erfreut.
Die Verwandlungsmärchen erzählen, dass Menschen in Tiere oder andere Geschöpfe verwandelt werden. Östlich der Sonne und westlich des Mondes (Østenfor sol og vestenfor måne) ist eins der bekanntesten. Die Wurzeln dieses und anderer Märchen reichen bis in griechische Mythen über Amor und Psyche zurück.
Märchen haben sich sozusagen über den ganzen Erdball verbreitet. Das bezeugt, dass sie eine der ältesten Formen der Überlieferung sind. Das norwegische Wort für "Märchen" -- "eventyr" -- finden wir bereits in der altnorwegischen Sprache des 12. Jahrhunderts in der Form "ævintyr", entliehen von dem lateinischen Wort "adventura". Es bedeutet "Ereignis", "wunderbare Begebenheit".
Die Märchen von Asbjørnsen und Moe geben uns einen Eindruck davon, was norwegische Märchen sind - ein Bild, das den wirklichen Verhältnissen sehr nahe kommt. Die große Anzahl neuer Ausgaben und neuer Auswahlen aus der Sammlung von Asbjørnsen und Moe sind zum klassischen Ausdruck für die norwegische Märchentradition geworden. Dank ihrer Quellentreue und ihres tiefen Verständnisses für den Wert des Märchens ist die Sammlung von Asbjørnsen und Moe nie veraltet. Sie enthält rund einhundert Arten von Volksmärchen, nur geringfügig weniger als die Hälfte der in Norwegen bekannten. Geographisch gesehen ist die Auswahl demgegenüber weniger repräsentativ; sie enthält hauptsächlich Märchen aus Ostnorwegen.
Der norwegische Märchenstil ist in erster Linie von Objektivität geprägt. Sei das Thema auch noch so phantastisch, so ist der Erzählstil häufig realistisch. Die beschriebene Umgebung und das Milieu sind norwegisch; der König selbst ist oft einem Großbauern zum Verwechseln ähnlich.
Mythische Sagen
Die norwegische Natur ist in den Sagen ein stetig wiederkehrendes Thema. Bis zum heutigen Tag sind sie an verschiedenen Orten lebendig; einige von ihnen sind im ganzen Land bekannt. Mit Naturphänomenen verknüpfte Sagen sind in allen Ländern üblich, aber ein rauhes und gebirgiges Land wie Norwegen hat vermutlich eine besonders reiche Sagentradition. Geologische Formationen mögen häufig fremd und wunderbar erscheinen, wobei sie die Phantasie der betreffenden Bevölkerung anregen
In den Bergen und Wäldern leben eine Menge mythische Geschöpfe, und Sagen von Landmarken, die von Trollen hinterlassen wurden, gibt es im ganzen Land. Manchmal steht ein Troll selbst dort als Stein. Die Spuren der Trolle lassen immer auf deren Größe schließen.
Sagen, die von übernatürlichen Wesen berichten, werden häufig mythische Sagen genannt. Früher waren Forscher der Ansicht, die übernatürlichen Geschöpfe, von denen die Sagen handelten, seien im Grunde Nachkommen der alten Götter, und von daher die Bezeichnung "mythische Sagen". Tatsächlich aber gibt es nur eine norwegische Sage, in denen die alten Götter eine Rolle spielen -- nämlich die Sage vom Gott Tor. Am Totak-See im Fylke Telemark liegt eine riesige Geröllhalde, "Urebø-Halde" genannt. Sie soll dadurch entstanden sein, dass der Gott Tor den darüber gelegenen Berg zertrümmerte und ein kleiner Bauernhof darunter von den Steinmassen verschüttet wurde.
Im übrigen gibt es in der norwegischen Tradition eine Menge Sagen über übernatürliche Geschöpfe. Viele handeln von Meeres- und Seeungeheuern. Am bekanntesten war früher die Sage von der Riesenschlange im Mjøsa, dem größten norwegischen Binnensee. In jüngerer Zeit ist es besonders die Schlange im Seljord-See, der als Norwegens Loch Ness bekannt wurde. Im übrigen wird von den verschiedenen Geschöpfen im Meer erzählt. Eine spezifisch norwegische Tradition sind die Sagen von dem Geist, der die Fiedel spielt (Fossegrimen). Er lebt in Wasserfällen und kann einen Fiedler das Spielen lehren. Wer auch immer das Fiedelspiel erlernen möchte, braucht nur an den Wasserfall zu gehen und dem Fossegrimen Essen anzubieten. Häufig erzählt die Sage, dass der Versuch scheitert, weil das Essen so mager ist, dass der Geist den Betreffenden zwar lehrt, seine Fiedel zu stimmen, nicht, aber auf ihr zu spielen.
Die historische Grundlage für die allermeisten norwegischen Sagen finden wir in neuerer Zeit. Der einzige König des Mittelalters, den die Sage unserem Gedächtnis erhalten hat, ist Olav der Heilige. Von ihm wird im ganzen Land erzählt, wobei vor allem das Legendenhafte klar in Erscheinung tritt. In der Natur finden sich Spuren von ihm selbst, seinem Schiff oder seinem Pferd; er hat vielen Quellen heilende Kraft gegeben, und er verwandelte Trolle in Steine. Vielerorts ließ er Kirchen bauen - ja, er verlockte sogar Trolle dazu, Kirchen für ihn zu bauen.

Quelle
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